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                              • Führen, führen, führen – wer führt hier wen?, Johanna von Isalohr

                              Führen, führen, führen –

                              wer führt hier wen?

                              Die Tage bin ich über ein Zitat gestolpert, das mich zum Nachdenken angeregt hat.

                              "Führung ohne Rücksicht auf Emotionen
                              ist wie Segeln ohne Rücksicht auf den Wind" (Rainer Karius)

                              Führung im Management und Führung bei Hunden wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr häufig ähnlich verwendet. Wir führen unsere Hunde und versuchen damit eigene Wünsche durchzusetzen. Welche Bedeutung kann "Führung" haben und wie ist sie für welche Partei zu verstehen?
                              Wenn jemand führt, dann braucht es einen, der geführt wird. Übertragen auf uns und unsere Hunde bedeutet das: Der Mensch führt und der Hund wird geführt.
                              Der Mensch bestimmt den Weg und gibt dadurch die Richtung vor. Dieses Handeln gibt dem Menschen Sicherheit, denn er weiß, was passieren wird, welcher Weg und welche Richtung eingeschlagen werden und hat damit einen Informationsvorsprung. Der Hund hingegen ist in der unsicheren Position. Denn er weiß erst einmal nicht, was passieren wird und wohin es geht. 

                              Oft hört man, gerade von  Hundehaltern, dass es dem Hund Sicherheit geben würde,  wenn er Verantwortung und die Führung abgibt. Woher wissen wir das eigentlich? Warum glaubt jemand, dem Führen wichtig ist, dass er führen muss? Verschiedene Beweggründe könnte ich mir in diesem Zusammenhang vorstellen. Zum einen glaubt derjenige, der führen möchte, dass das, was er macht, richtig ist. Er geht davon aus, dass seine Ziele wichtiger sind, als die der anderen und er den Weg dorthin weisen muss. Ferner könnte ihm natürlich auch immer und immer wieder gesagt worden sein, dass er führen "muss".
                              Gibt es noch weitere Gedankengänge, die einzubeziehen sind, wenn man über "Führung" und "geführt werden" nachdenkt? Ja sicher doch. Ein sehr wichtiger Aspekt ist die Beziehung zwischen Führer und Geführtem. Vielleicht würde man die  Frage: "Wer bestimmt die Beziehung?" im ersten Augenblick mit: "Selbstverständlich der Führer!" beantworten.
                              Denkt man weiter, dann ist die Beziehung zwischen zwei Lebewesen sicher mehr, als das Abbild der Hierarchiebeziehung zwischen ihnen. Die erste Frage, die sich stellt: Vertraut der Geführte dem Führer? Kann er sich darauf verlassen, dass seine eigenen Bedürfnisse berücksichtigt werden oder steht er im Regen, wenn es um ihn und seine Wünsche geht?
                              Und hier kann man gleich die nächste Frage stellen:  Wenn ich mich als Führer durchsetze in Dingen, die dem Geführten sehr wichtig sind, steigert dies das Vertrauen des Geführten in den Führer?
                              Mit Sicherheit nicht. Denn es bleibt immer ein fader Beigeschmack, wenn ich durch Zwang etwas machen musste, was mir widerstrebt. Wenn mir das ein paarmal passiert, dann frage ich mich, ob ich die Beziehung zum Gegenüber noch länger haben möchte. Als Arbeitnehmer kann ich gehen. Als Lebensgefährte kann ich mich trennen. Aber der Hund kann das nicht. Was er aber kann, ist Abstand von seinem Menschen zu nehmen, der ihm seine Bedürfnisse nicht erfüllt. Manche Hunde sind wahre Meister darin, ihre Menschen auszublenden. Meiner Meinung nach ist hierbei entscheidend, wie wichtig dem Hund seine eigenen Bedürfnisse sind. Der eine Hund ist eher der eigenständige, dem es nichts ausmacht, sein Ding alleine zu machen, der nächste Hund hat damit ein großes Problem, weil ihm seine Menschen das Wichtigste sind, was er hat. An der Stelle sollte man einmal die Menschen näher betrachten, denen es sehr wichtig ist, dass sie sich als die Führer, die Chefs, die Ranghohen in ihrer Beziehung zum Hund sehen. Diese Menschen erwarten von ihren Hunden, dass diese einen Teil ihrer Sicherheit, durch Wissen darum, was gemacht wird und wohin es geht, abgeben. Das führt zu einer hohen Verantwortung des Führers gegenüber den Bedürfnissen des Geführten.

                              Was sieht man aber häufig? Der Hund kann einen Befehl nicht ausführen, weil er zu aufgeregt ist oder weil er mit einem anderen Lebewesen kommuniziert, was häufig in Hundebegegnungen der Fall ist. Der Mensch echauffiert sich, dass der Hund nicht hört und erhöht den Druck auf den Hund. Dieser Druck auf den Hund kann dazu führen, dass der Hund sich mehr dem Menschen entziehen möchte. Er wird seine Bezugsperson vermehrt ausblenden und die Beziehung zwischen den beiden wird dadurch belastet. Möglicherweise entsteht ein Teufelskreislauf: Der Mensch erhöht den Druck noch mehr, denn der Hund hat sich widersetzt und nicht akzeptiert, dass er "geführt" wird. Der Hund findet seinen Menschen dadurch noch "unangenehmer". Er versucht mehr Abstand zu ihm zu gewinnen.

                              Provokant möchte ich an dieser Stelle eine Frage stellen: "Könnte es sein, dass hier die falschen Dinge als relevant gesehen werden?" Geht es tatsächlich um "Führen" und "geführt werden" oder geht es vielleicht eher um Aufgaben, die zu lösen sind und Verhalten, das gezeigt werden soll? Wer hier die Emotionen und Bedürfnisse des Hundes nicht beachtet, der segelt ohne Rücksicht auf den Wind.

                              Zur Person

                              Johanna von Isalohr

                              Johanna von Isalohr, 37 Jahre, lebt zusammen mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern, dem Weimaranerrüden "Max", Jagdhundmixhündin "Tinka" und ihrem Kurzhaarkater "Mogli" in Erlangen. Ihre Familie und ihre Tiere liegen Johanna sehr am Herzen.

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