Motivation,
Bedürfnisse & Verstärker
Motivation ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit dem Training von Hunden sehr oft verwendet wird. Ein verblüffender Gegensatz zum häufigen Gebrauch ist die Tatsache, dass es keine allgemein anerkannte Definition dafür gibt, was "Motivation" bedeutet!
Warum verhalten Tiere sich? Sie wechseln zwischen verschiedenen Verhaltensbereichen wie Fressen, Füttern, Paarung, Wandern, Jagen, Schlafen, Körperpflege hin und her. Warum wechseln sie? Was für Prozesse liegen diesem Wechsel zugrunde? Bei der Beantwortung dieser Frage kommt das Konzept der Motivation ins Spiel.
Motivation ist eine hypothetische Variable. Hypothetisch deswegen, weil Motivation nicht beobachtet werden kann, Motivation ist eine Idee, eine Hypothese, die sich aber bei der Beschreibung von Verhalten so bewährt hat, dass sie in der Verhaltensbiologie nicht mehr wegzudenken ist. Motivation beschreibt innere Prozesse, die Verhalten erregen und dirigieren.
Motivation entsteht durch ein Zusammenwirken von inneren und äusseren Faktoren. Motivation beschreibt eine innere Variable, die im Zusammenhang mit äusseren Faktoren Effekte auf Verhalten hat. Motivation ist das, was ein Tier HIER und JETZT zu dem gezeigten Verhalten bewegt.
Motivation verändert sich im Lauf der Zeit. Ein zu geringer Wasssergehalt des Körpers ruft das Gefühl von Durst hervor. Die Motivation zum Trinken ist dann besonders hoch. Nach der Wasseraufnahme aber, sinkt der Wert der Motivation für Trinken.
In unserem Beispiel verändert sich die Motivation in Abhängigkeit vom Wassergehalt des Körpers. Motivation ist eine Funktion von Bedürfnissen. Für die Haltung von Tieren in Gefangenschaft ist das Wissen um Motivation und die Besonderheiten sehr wichtig: Es gibt Motivationen für Verhalten, welches nicht unbedingt für das Überleben unter diesen Umständen nötig ist. Es gibt Motivationen für Flucht, Erkundung und Spiel. Tieren in menschlicher Obhut muss es möglich sein, dieses Verhalten auszuführen.
Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass es Motivationen für eine bestimmte Ausführung des Nahrungserwerbes gibt. Es ist für ein Tier nicht ausreichend, durch Fütterung gut ernährt zu sein. Von Bedeutung ist, dass ein Tier die spezifischen Verhaltensweisen des Nahrungserwerbes ausführen kann. Wir können einen Hund also nur zu einer Zusammenarbeit mit uns motivieren, wenn wir seine Bedürfnisse kennen und sie auch befriedigen können. Daher befinden wir uns in einer extremen Konkurrenzsituation mit der Umwelt. Diese bietet eine Menge Auslöser für angeborenes Verhalten und hält zugleich viele Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung bereit. Sobald wir uns mit dem Hund in einer stimulierenden Umwelt bewegen, müssen wir gegen sie konkurrieren. Nicht gegen das Verhalten des Hundes kämpfen wir, sondern gegen seine Umwelt.
Zur Person
Dr. rer. nat. Ute Blaschke-Berthold, Dipl. Biologin ist Trainerin und Verhaltenstherapeutin: "Gut informierte und sinnvoll trainierte Hundebesitzer sind die beste Vorbeugung gegen unangepasstes Verhalten bei Hunden." Nach ihrer Promotion widmete sie sich voll und ganz der angewandten Verhaltensforschung und ihren Favoriten, den Haushunden und gründete die Kyno-Praxis für Verhaltenstherapie und Hundeschule CumCane®
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Dieser Text ist ein Auszug aus dem CumCane eDOG-Kurs "VIP - für spezielle Hunde" von Dr. Ute Blaschke-Berthold (Webseminar). Dieser interaktive Online-Kurs ist sehr empfehlenswert und für Hundehalter ohne besondere Vorkenntnisse geeignet.
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