Ernährung im Alter
Warum Eddie heute anders frisst als früher
(und warum das gut ist)
TEIL 2
Früher war Fütterung einfach.
Napf runterstellen. Hund frisst. Thema erledigt.
Heute ist das anders. Nicht komplizierter – aber bewusster. Und nein: Das liegt nicht daran, dass Eddie plötzlich Food Influencer geworden ist. Sondern daran, dass sich sein Körper verändert hat.

Foxterrier Eddie von Hundecoach,Verhaltensberater und BARF-Hundeernährungsberater Christopher Friemel, Easy Dogs Hundeschule, Coaching & Training Schweinfurt, im Alter von 13 Jahren (Foto: Carolin Schäfer)
DER ALTE HUND UND SEIN STOFFWECHSEL – WENIGER TURBO, MEHR EFFIZIENZ
Ältere Hunde verbrauchen meist weniger Energie, bewegen sich anders und verstoffwechseln Futter langsamer. Gleichzeitig steigt der Bedarf an hochwertigen Nährstoffen, vor allem an gut verwertbarem Protein.
Das klingt erstmal widersprüchlich: Weniger Kalorien – aber bitte bessere Zutaten.
Genau darin liegt der Knackpunkt.
Ein alter Hund braucht nicht mehr Futter, sondern besseres.
Eddie ist das beste Beispiel. Er frisst weniger als früher, hält aber sein Gewicht. Nicht, weil er heimlich nachts zur Selbstbedienung geht, sondern weil sein Körper effizienter speichert – und schlechter abbaut.
PROTEIN IST NICHT DER FEIND – ES IST DER VERBÜNDETE
Einer der größten Mythen in der Seniorenernährung für Hunde:
„Nicht so viel Protein, das belastet doch die Organe.“
Die Wissenschaft sieht das anders. Ältere Hunde verlieren natürlicherweise Muskelmasse (Stichwort Sarkopenie). Hochwertige, gut verdauliche Proteine helfen, diesen Prozess zu verlangsamen.
Wichtig ist nicht die Menge, sondern die Qualität:
- gut verdaulich
- hoher biologischer Wert (gute Bioverfügbarkeit)
- angepasst an Aktivität und Gesundheitszustand
Oder weniger wissenschaftlich:
Lieber gutes Eiweiß als viel Mittelmaß.
FETT, OMEGA-3 UND DAS GEHIRN IM ALTER
Fett hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht – zumindest teilweise.
Bestimmte Fettsäuren, vor allem Omega-3 (EPA & DHA), spielen eine zentrale Rolle bei:
- Entzündungshemmung
- Gelenkgesundheit
- kognitiven Funktionen
Studien zeigen, dass diese Fettsäuren nicht nur dem Körper, sondern auch dem alternden Gehirn zugutekommen. Gerade bei Hunden, die erste Anzeichen von Orientierungslosigkeit oder verändertem Verhalten zeigen, kann das relevant sein.
Eddie nennt das übrigens nicht „kognitive Unterstützung“.
Er nennt es: „Schmeckt besser.“
DARM, MIKROBIOM & VERDAUUNG – DAS UNTERSCHÄTZTE ZENTRUM
Mit dem Alter verändert sich auch das Darmmikrobiom. Manche nützlichen Bakterien nehmen ab, die Verdauung wird sensibler, der Kot – sagen wir – informativer.
Hier können präbiotische Ballaststoffe, fermentierbare Faserstoffe und in manchen Fällen probiotische Unterstützung sinnvoll sein.
Nicht als Wundermittel.
Sondern als eine feine Stellschraube.
Oder anders formuliert:
Ein entspannter Darm macht das Leben für alle Beteiligten angenehmer.

Foxterrier Ed im Alter von 3 Jahren. Der Rüde hat schon immer gut und gerne gefressen. Im Laufe seines Lebens änderten sich jedoch die Bedürfnisse in vielerlei Hinsicht und so wurde auch seine Ernährung stets angepasst. (Bild: Christopher Friemel, Hundecoach & Verhaltensberater, Easy Dogs Hundeschule Schweinfurt)
SENIORFUTTER: GROSSE VERSPRECHEN, GROSSE UNTERSCHIEDE
„Senior“ steht auf vielen Futtersäcken.
Leider ist nicht immer Nahrung für Senioren enthalten.
Analysen zeigen, dass sich Seniorfutter teils massiv unterscheiden:
- im Proteingehalt
- in der Fettqualität
- in der Mikronährstoffversorgung
Manche unterscheiden sich kaum von Adultfutter (Futter für ausgewachsene Hunde). Andere sparen an genau den Stellen, wo ein alter Hund mehr braucht.
Deshalb gilt:
Nicht nach dem Namen des Futters füttern, sondern die Zusammensetzung verstehen.
FRISCHFUTTER, TROCKENFUTTER ODER IRGENDWAS DAZWISCHEN?
Die Frage kommt in meiner Ernährungsberatung zuverlässig.
Und die Antwort ist – wie so oft – unbefriedigend ehrlich:
Es kommt darauf an.
Frisch zubereitete Rationen können bei Seniorhunden metabolische Vorteile haben: bessere Fettprofile, weniger Entzündungsmarker, oft höhere Akzeptanz. Trocken- oder Nassfutter kann genauso gut funktionieren, wenn es hochwertig und passend ausgewählt ist.
Entscheidend ist nicht die Religion, sondern:
- Nährstoffdichte
- Verträglichkeit
- Alltagstauglichkeit
Denn was im Napf landet, muss am Ende auch gefressen werden.
Eddie ist da sehr pragmatisch.
PRAXIS STATT PERFEKTION: WIE WIR ES HANDHABEN
Ich habe gelernt, Ernährung nicht als Ideologie zu sehen, sondern als Werkzeug.
Mal feinjustieren. Mal vereinfachen. Mal neu denken.
Eddie bekommt heute:
- hochwertiges, gut verdauliches Protein
- gezielte Fettsäuren
- mehr Aufmerksamkeit für Gewicht, Muskulatur und Verdauung
- und weniger „Ach, das geht schon noch“
Nicht, weil er alt ist.
Sondern, weil er es uns wert ist.
FAZIT: ERNÄHRUNG ALS LEISE FORM VON FÜRSORGE
Gute Ernährung für alte Hunde schreit nicht.
Sie wirkt im Hintergrund.
Wenn der Hund sich leichter bewegt.
Wenn der Kopf klarer bleibt.
Wenn der Napf leer ist – aber ohne Hast.
Eddie wird nicht wieder jung.
Aber er wird gut alt.
Und manchmal ist genau das die größte Verantwortung, die wir haben.

Foxterrier Eddie von Hundetrainer und Verhaltensberater Christopher Friemel, Easy Dogs Hundeschule, Coaching & Training Schweinfurt, im Alter von 13 Jahren (Foto: Carolin Schäfer)



