Scheren und Fell kürzen in der Übergangsjahreszeit? Was tun beim Wetterwechsel?
WARUM SCHEREN SINN MACHT –
UND DER MANTEL TROTZDEM GRIFFBEREIT BLEIBEN SOLLTE…
Der Winter verabschiedet sich, die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen und plötzlich merken wir: Dein Hund schleppt gefühlt den halben Wald mit ins Wohnzimmer, das dicke Winterfell wirkt stumpf, es schneit Unterwolle und dein Hund zeigt die ersten Anzeichen von Hitzestress? Zeit für den „Frühjahrsputz“ am Hund!
Doch Vorsicht: Nur weil der Kalender Frühling oder Herbst sagt, meint es das Wetter nicht immer gut mit uns. Die Klimakrise hat uns fest im Griff und bringt Temperaturschwankungen, extreme Hitze, plötzliche Wetterwechsel und vieles mehr mit sich.
In der Welt der modernen Groomer:innen sind die Übergangsjahreszeiten eine der beratungsintensivsten Zeiten.

Chihuahua-Hündin Mizze wird im Frühjahr und Sommer geschoren. Wenn das Fell kurz ist, gilt es besonders die Temperaturen oder Wetterbedingungen im Blick zu haben. Oft braucht Mizze dennoch einen wärmenden Mantel oder eine Regenjacke. (Alle Bilder: Daniela Maier, Easy Dogs Grooming & Training Nürnberg-Nord, Groomerin für Hunde und Katzen mit Salon und mobil für das Grooming und Grooming-Training bei dir zu Hause)
DIE FRÜHJAHRS-SCHUR: BEFREIUNGSSCHLAG ODER RISIKO?
Viele Hundehalter:innen warten sehnsüchtig darauf, dass die Temperaturen steigen, um den Hund „endlich kurz“ zu machen. Und ja, eine fachgerechte Schur oder das gründliche Entfernen der Unterwolle ist danach eine wahre Wohltat.
Die alte Unterwolle, die im Fellwechsel feststeckt, wirkt wie eine dicke Filzschicht. Sie lässt keine Luft an die Haut und staut die Wärme – das ist im Frühling, wenn es mal warm und mal feucht-kalt ist, der ideale Nährboden für Hotspots und Juckreiz.
Aber Achtung: Wer zu früh zur Schermaschine greift und das Fell radikal kürzt, nimmt dem Hund seinen Kälteschutz.

DER „NACH-DER-SCHUR-SCHOCK“:
WARUM DER MANTEL JETZT DEIN BESTER FREUND IST
Stell dir vor, du gehst bei 8 Grad Außentemperatur in einer dicken Daunenjacke zum Friseur und kommst im T-Shirt wieder raus. Genau so fühlt sich ein frisch geschorener Hund im März oder April oft.
Wann muss der (Nässeschutz- oder wärmende) Mantel also wieder angezogen werden?
- Nach der Schur: Wenn das schützende Deckhaar und die isolierende Wolle fehlen, kühlt der Körper extrem schnell aus.
- Bei Schmuddelwetter: Ein kurzer Schauer reicht aus, um den Hund bis auf die Knochen durchzuweichen, da der natürliche „Abperleffekt“ fehlt.
- Bei Wartezeiten: Ein nasskalter Windstoß nach dem Salonbesuch oder ein ausgekühltes Auto kann bei frisch gekürztem Fell schnell zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
WASSERDICHT WAR GESTERN: DIE FEHLENDE „REGENJACKE“
Was viele vergessen: Das Deckhaar lässt Wasser abperlen, bevor es die Haut erreicht. Ist das Fell erst einmal kurz geschoren, fehlt diese Barriere. Regen oder auch nur feuchter Nebel dringen sofort bis auf die nackte Haut vor.
Die Folge: Die Haut wird nass und die Körpertemperatur sinkt rasant ab.

Sprichwörtlich “nass bis auf die Haut”…
ACHTUNG: DAS SIND DIE RISIKEN
Unterschätzen wir den Temperatursturz nach dem Grooming, riskieren wir mehr als nur ein bisschen Zittern. Zu den typischen „Frühlings-Klassikern“ in den Tierarztpraxen gehören:
- Blasenentzündungen: Besonders bei kurzbeinigen Hunden schlägt die Bodenkälte und Feuchtigkeit direkt auf den Unterbauch um.
- Nierenbeckenentzündungen: Ein unterschätztes Risiko, wenn die Nierenpartie nicht mehr ausreichend geschützt ist.
- Lungenentzündungen und Infekte: Wenn der Körper seine Energie nur noch für die Wärmeregulation aufwenden muss, haben Viren und Bakterien leichtes Spiel.
- Wasserrute (CoonTail, Kokzygeale Myopathie: Schmerzhafte Nervenentzündungen am Rutenansatz, oft ausgelöst durch Kälte und Nässe.
Fachkompetentes Grooming bedeutet in jedem Fall, vorausschauend zu planen und sich die individuellen Lebensumstände genau anzuschauen. Nur weil das Hundefell schick und kurz ist, heißt das nicht, dass der Hund „abgehärtet“ ist. Ein passender Hundemantel ist hier kein modisches Accessoire, sondern eine Gesundheitsvorsorge.
Kurzum, beobachtet euren Hund genau. Erfahrungsgemäß tut sich die Königin (Chihuahua, Qualzucht, 15 Jahre, div. gesundheitliche Probleme) mit Temperaturen unter 10 Grad schwer. Wenn ihr Fell kurz ist,ergreife ich bereits bei 12-13 Grad Schutzmaßnahmen. Je nach Wetterlage .
Wenn die Temperaturen also darunter liegen oder unsere Gassistrecke überwiegend im Schatten ist, kommt der Mantel dran.

Das Wohlbefinden und die Gesundheit des Hundes sollte immer an allererster Stelle stehen.
FAZIT: WOHLBEFINDEN MIT WEITBLICK
Die Fellpflege im Frühjahr ist ein Balanceakt zwischen „Ballast abwerfen“ und „Schutz bewahren“. Achte beim nächsten Termin bei deiner Groomer:in darauf, ob auch das Thema Thermoregulation angesprochen wird. Eine gute Beratung endet nicht am Trimmtisch, sondern bezieht den Alltag und das aktuelle Wetter mit ein.
Mein Pro-Tipp für dich: Pack den Hundemantel nach dem Friseurbesuch nicht direkt in den Keller. Behalte ihn für die kühlen Morgenstunden oder windige Tage griffbereit.
Denn am Ende wollen wir alle dasselbe: Einen Hund, der sich in seiner Haut – und seinem Fell – pudelwohl fühlt. Egal, ob mit oder ohne „Übergangsjacke“.

Immer gemeinsam Wetter und Temperatur vor dem Spaziergang checken!



